Deutsche U23 Meisterschaften in Wetzlar

geschrieben von Harald Eifert am Donnerstag, 20 Juni 2019 08:27 Uhr

 Wetzlar war nicht nur eine Reise wert, sondern die spezielle Vorbereitung für diese nationalen Titelkämpfe zahlten sich auf breiter Front aus. Vier Teilnehmer und fünf starke Auftritte - besser hätten sich die Jungs nicht präsentieren können. Die Anreise, das Auftakttraining im Stadion, das Abendessen - alles in bester harmonischer Stimmung.

Der Samstag als erster der beiden Wettkampftage, war natürlich deshalb schon spannend, weil Moritz Ringk sich über 800 m zuerst einmal für das Finale am Sonntag qualifizieren mußte. Bei der vorhandenen Konkurrenz war das natürlich schon nicht so einfach - einige Deutscher Meister und Teilnehmer an internationalen Meisterschaften waren im Feld. Und während Moritz seinen Start um 13.55 Uhr hatte, stand Hannes Vohn abends um 18.35 Uhr auf der Kunststoffbahn, um sich über 5.000 m zu behaupten. Aber der Reihe nach.

Moritz stand im ersten von zwei Vorläufen auf der Bahn, und hatte als einziger Akteur auf Bahn sechs auch nicht mit evtl. Rangeleien zu tun. Er konnte von außen kontrolliert nach innen gehen und auch dabei den Rangeleien aus dem Weg gehen. Das die Konkurrenz dann bis 200 m in vier Bahnen lief, konnte niermand vorher sagen. Das machte Moritz allerdings nichts aus, denn er passte sich der Rennsituation hervorragend an. Das Anfangstempo war mit einer 55er Runde nicht zu schnell und kam ihm auch entgegen. Danach hatte man aber den Eindruck, dass sich die Favoriten in einem längeren Steigerungslauf dem Ziel entgegen befanden. Auf der Zielgeraden entbrannte nahezu ein Feuerwerk der Spurtfähigkeiten, und Moritz mitten drin. Die Namen und Titel der anderen Läufer interessierten ihn einfach nicht und gab gehörig Gas, und das auf Bahn drei und vier, weil  sich eben alle sehr breit machten. Doch das nützte nichts, er qualifizierte sich als Bester der Zeitschnellsten mit 1:51,73 min seiner zweitschnellsten Zeit überhaupt als Vierter dieses ersten Vorlaufes. Der gesamte zweite Vorlauf war deutlich langsamer.

Jetzt stand auslaufen und Regeneration auf dem Programm und abends Hannes anfeuern mit anschließendem Abendessen. Hannes Ziel, an diesen Ttitelkämpfen teilzunehmen, hatte er ja am letzten Nominierungstag in Köln in die Tat umgesetzt, sodass dieser Lauf in Wetzlar nun die verdiente Kür war. Das warme Wetter spielte natürlich keinem in die Karten, war aber auch nicht zu ändern. Hannes lief ein gutes Rennen, und in dem Moment, wo sich seine Gruppe zweiteilte, entschied er sich für den devensieveren Part. Und das war auch gut so. Niemand in diesem Rennen kam an seine Bestzeit heran, sodass eine Topzeit von vorn herein nicht möglich war. Runde für Runde spulte er ab und ließ sich auch nicht beirren. Just in dem Moment, wo er registrierte, dass sie zu langsam wurden, nahm er dann das Heft dieser Laufgruppe in die Hand und beschleunigte. Innerhalb einer Runde lief er ca. 50 m heraus, kam aber leider nicht an die vor ihm laufenden Konkurrenten heran, sodass Hannes die letzten vier Runden allein abspulen mußte. Dies tat er auch, auch wenn es ihm offensichtlich mittlerweile doch etwas schwerer fiel. In seinem bekannten Endspurt auf den letzten 100 m holte er sich doch noch einen Läufer, der vor ihm war und beendete das Rennen als Zehnter mit seiner zweitschnellsten Zeit ever - 15:05,26 min. Hannes hatte alles gegeben und lieferte ein schönes Rennen ab. Leider blieb ihm die Urkunde verwährt, was aber nicht bedeutet, dass er sich für die nächsten Jahre damit zufrieden gibt.

Nach einem schönen aber auch ruhigen Abend, an dem letzte Gespräche folgten, gingen alle mit den Gedanken an den finalen Meisterschaftstag ins Bett. Auch am zweiten Tag war das Frühstück wieder mehrgeteilt, da die Startzeiten der Protagonisten ja auch zweieinhalb Stunden auseinander lagen. Moritz war mit 12.30 Uhr der erste unserer Athleten, der sich zu seinem Endlauf fertig machen mußte. Die Fans waren mittlerweile alle angereist - lautstark und mit Fahnen bestückt machten sie sich bemerkbar. Und das konnten die Jungs auch gut gebrauchen. Dieses Mal stand Moritz alleine auf Bahn zwei und mußte zusehen, dass er eingangs der Gegengeraden nicht eingeklemmt wird. Aber auch diese Aufgabe meisterte er mit Bravour. Überhaupt gab es nicht einen einzigen Abschnitt in seinen beiden Rennen, wo er etwas hätte besser machen können. Es war wieder ein langsames Rennen auf der ersten Runde und wieder war es ein langer Steigerungslauf, der auf der Zielgeraden förmlich explodierte. Doch unser Mo hatte alles unter Kontrolle und mischte voll mit. Dieses Laufverhalten wurde dann im Ziel auch mit einem tollen fünften Platz und 1:52,06 min belohnt. Dass er dabei zwei der Jungs schlagen konnte, die tags zuvor noch in seinem Lauf vor ihm waren, soll hier nicht unerwähnt bleiben - Chapeau, eine taktische Meisterleistung, und das als jüngster Teilnehmer aller 800 m Läufer.

Als zweiter unserer Jungs machte sich dann Jonas Völler für seinen 1.500 m Lauf bereit. Hier gab es aufgrund der Meldezahlen direkt Endlauf, der es aber ebenfalls in sich hatte. Auch in diesem Lauf war nahezu die gesamte deutsche U23 Konkurrenz am Start, und auch diese Jungs gaben eine große Kostprobe taktischer Laufkünste. Es wurde ebenfalls ein Meisterschaftsrennen, dass mit ca. 2:55 min bei der 1.000 m Zwischenmarke seinen Höhepunkt fand. Danach allerdings ging ein Ruck durch dieses Rennen und es wurde richtig schnell. Leider standen dabei für Jonas anfangs zwei Kollegen im Weg, die ein direktes Folgen zunichte machten, aber was er danach anbot, war schon auch vom Allerfeinsten. Seine bärenstarke Schlußrunde ließ ihn bis Platz sieben nach vorne kommen. Seine finale Zeit wurde mit 4:09,09 min resgistriert. Auch Jonas hat mit diesem Rennen ein weiteres Kapitel von taktischen Rennen erfahren dürfen, und gekonnt gemeistert. Auch er war der jüngste Teilnehmer in diesem Feld und schnellster U20er, obwohl die beiden anderen U20er Läufer mit besseren Bestzeiten angereist waren. Ein tolles Rennen - wir kamen einmal mehr auf unsere Kosten.

Nun ging die Uhr Richtung 15.00 Uhr und der 3.000 m Hindernislauf der MU23 stand auf dem Programm. Der Lauf, in dem es aus unserer Sicht um richtig viel ging. Freddy Ruppert stand als bester U23er ebenso an der Startlinie, wie die anderen vier Läufer, die genau wie er die Norm für die EMU23 in Gävle/Schweden schon erreicht hatten. Also mußte für die Nominierung der besten drei Athleten dieses Rennen bei den nationalen Titelkämpfen "herhalten". Es wurde ein Rennen, dem man die Geschwindigkeit nicht ansah. Das lag zum einen daran, dass die schnellen Jungs einen enteilten Läufer zuerst einmal gewähren ließen, diesen aber dann doch nach etwa 1.000 m stellen konnten. Und zum anderen waren die technischen Fähigkeiten so gut, dass eine Tempoaufnahme nach den Hindernissen nicht nötig war. Es tat sich kein Loch nach einem "Bock" auf, und es entstand auch keine Lücke zwischen den besten Läufern nach den einzelnen Wassergrabenüberquerungen. Es war schlicht und ergreifend ein tolles Rennen zum Anschauen und genießen. Die besten drei Läufer machten dann zwei Runden vor Schluß das Rennen unter sich aus und es waren die selben Jungs, wie noch vier Wochen vorher in Karlsruhe. Freddy machte seine Sache sensationell gut und befolgte den Fahrplan hochkonzentriert, obwohl es den Anschein hatte, er hätte bereits ein bis zwei Runden eher antreten und weglaufen können.  Aber bei etwa 280 m vor dem Ziel wollte er nicht mehr nur mitlaufen, er zog das Tempo etwas an und setzte sich alleine an die Spitze. Er überlief den letzten Bock auf der Gegengeraden und steigerte dann das Tempo zum Wassergraben - ungewöhnlich für seine Konkurrenten. Das war in Karlsruhe noch ganz anders. Den Wassergraben überquerte er auch beim letzten Mal fehlerfrei und gab dann richtig Gas, was darin mündete, dass er am letzten Hindernis fast noch hätte stürzen können. Aber Freddy behielt alles im Griff und lief locker und ungefährdet seinem ersten Deutschen Meistertitel entgegen - ein für viele magischer Moment. Denn erneut schafft es ein Myhler aus dieser unserer Topgruppe auf das oberste Podest bei nationalen Titelkämpfen. Mit 8:44,61 min lief er auf nur knapp an seinem Hausrekord  vorbei und unterbot die Norm für Schweden nun schon zum zweiten Mal.

 

Zu diesen euren Leistungen gratulieren wir sehr herzlich, verbunden mit der Bitte gruppendynamisch so weiter zu arbeiten wir bisher.

 

Die weiteren Videos findet ihr hier für die 1500 m:

https://www.leichtathletik.de/tv/video-detail/video-detail/detail/20456-marc-tortell-konnte-am-ende-meinen-guten-spurt-ausspielen/

und hier für die 800 m:

https://www.leichtathletik.de/tv/video-detail/video-detail/detail/20366-pascal-kleyer-schleicht-sich-innen-zum-sieg/

und hier für das Interview mir Freddy:

https://www.leichtathletik.de/tv/video-detail/video-detail/detail/20474-frederik-ruppert-konnte-am-ende-meine-spurtstaerke-ausspielen/

Medien

Spannender Kampf um EM-Tickets über 3.000-Meter-Hindernis leichtathletik.de - la.TV-Team: Interviews: Ivo Koken Kamera: Matthias Plinke, Jan Papenfuß Schnitt: Marina Failing