Bert Vohn von Aachen nach Görlitz mit dem Rennrad

geschrieben von Harald Eifert am Dienstag, 21 September 2021 23:55 Uhr

Unser Ausdauersportler Bert Vohn war wieder im Dienst der guten Sache unterwegs, und das war er im wahrsten Sinne des Wortes. Um für das Projekt Malabon (ein Stadteil von Manila auf den Philippinen) monitäre Hilfe zu aquirieren genügt es unserem Bert natürllich nicht "nur mit dem Hut" herumzugehen. Damit die Menschen für das oder besser die Malabon Projekte spenden, erbringt er nahezu jährlich eine riesige Ausdauerleistung, die stark an die physischen Grenzen von ihm selbst geht.

In diesem Jahr brach er am 10. September morgens früh um 8.02 Uhr auf dem Aachener Markt in Richtung Görlitz, der östlichsten Stadt Deutschlands, unmittelbar an der polnischen Grenze gelegen, auf. Eingefunden hatten sich an diesem Morgen Mitglieder der Malabon Projektgruppe genauso wie eine Menge Freunde und Kollegen. Bei der Abfahrt wurde Bert dann auch mit einem großen Beifall motivierend auf die Reise geschickt. Den konnte er auch brauchen, denn in der Vorbereitungszeit zu diesem außergewöhnlichen Unternehmen hatte er sich eine Schienbeinverletzung zugezogen. Dennoch wollte er diese Tour nicht verschieben.

Bis Bonn ging es recht zügig, und er war ja auch nicht alleine, da es mehrere Mitfahrer/innen gab, die die gleiche Tour mit der gleichen Ausrichtung fuhren. Immer wieder verlor man sich unterwegs, genauso, wie man sich wieder ein- aber auch überholte, sodass es nicht so langweilig wurde. Dafür sorgten dann auch hinter Bonn die dann folgende hügelige Landschaft, wo aber dann auch schon die Kraftreserven erstmals getestet wurden. Gegen 13.00 Uhr hatte  Bert dann eine Kurve leicht unterschätzt, konnte aber die nächste "Ausfahrt" nutzen und hielt seinen Drahtesel im Gras wieder an. Fahrbarer Untersatz sowie dem Fahrer selbst waren nichts passiert, außer, dass sich Gras an Mensch und Maschine verewigte.

Berts Handicap am Schienbein ließ ihn die Anstiege im Westerwald nicht ganz so geschmeidig nehmen, wie er es eigentlich gewohnt war, sodass er einige Mitstreiter ziehen lassen musste. Dazu kam dann auf den nächsten 200 Kilometern noch Starkregen. Diesen nutzte er (vermutlich aber auch seine Mitstreiter) um an einer Tankstelle die Trinkflaschen aufzufüllen (natürlich mit Wasser). Gegen 20.25 Uhr erreichte er dann Bad Hersfeld (Hessen), wo man traditionell bei Kilometer 340 einen Zwischenstopp einlegt. Die dreißigminütige Pause nutzte Bert mit Nahrungsaufnahme und trinken sowie erneutes Auffüllen seiner Trinkflaschen. Dann zog er sich für die doch kühlere Nacht entsprechend um - versehen mit unserer Myhler Leuchtjacke und seinen Beinlingen. Und schon ging's weiter

In Eisenach (eine im Westen von Thüringen gelegene Lutherstadt) fuhr er dann die nächste "Tanke" an, um erneut "nach- bzw. aufzutanken". Er lag bis dorthin schon vor seinem eigenen Plan, und das jetzt aufgenommene Wasser musste für die nächsten sieben bis acht Stunden zum Sonnenaufgang reichen. Die Dunkelheit lässt den Fahrern natürlich keine Chance die schöne Landschaft, die durchfahren wird, zu genießen. Dazu kommt noch, dass sich das Teilnehmerfeld wieder ganz auseinander gezogen hat, sodass die meisten Teilnehmer allein gegen die Dunkelheit und die Strapazen zu kämpfen hatten. Bert Vohn lag zu dieser Zeit in seiner Altersklasse bereits auf dem ersten Platz, und den wollte er natürlich bis ins Ziel behalten

Kurz bevor die Sonne aufging gab es nochmal kräftig Wasser von oben, was Bert zu einem Stopp  an einer örtlichen Bäckerei nutzte - Kohlehydrataufnahme. Es lief trotz des Handicaps und den Verschleißerscheinungen noch ordentlich rund, sodass er die Elbe schon vor 10.00 Uhr passieren konnte. Nun wurden die letzten 110 Km (!!), die durch die Lausitz führen, in Angriff genommen. Nun sind auch die Abstände größer als die Sichtweiten zu den nächsten Fahrern, was es für die letzten hügeligen Passagen, die im Gegenwind gefahren werden mussten, nicht einfacher machte (irgend jemand hatte vergessen, dass Gebläse abzustellen). Kurz vor 15.00 Uhr finishte der in Merkstein beheimatete Ausdauersportler, und freute sich riesig darüber, dass er von Ehefrau Vera und Sohn Kristian empfangen wurde.

Bei der anschließend zügig durchgeführten Siegerehrung belegte Bert Vohn in der Klasse "non-supported 50+" den ersten Platz. Danach ging es direkt unter die Dusche, um sich unmittelbar daran anschließend einem (oder mehrerer) Radler und leckerer fester Nahrung zu widmen. In den vergangenen Stunden hatte er schließlich mehr als 20.000 Kalorien durch "den Ofen gefeuert". Da brauchte es nun Nachschub, damit Muskulatur und Geist wieder mit dem Notwendigsten versorgt wurden. Rückblickend bleibt dem Statistiker festzuhalten, dass unser Protagonist insgesamt 801 km zurückgelegt hatte. Incl. aller Ampelstopps, Versorgungsaufnahmen etc. war Bert 30 Stunden und 52 Minuten unterwegs, wobei die reine Bewegungszeit bei 29 Stunden und 10 Minuten lag. Auf der 801 km langen Strecke waren etwa 7600 Höhenmeter zu überwinden, die bei der nahezu pausenlosen Fahrt schon eine große Belastung darstellten.

An Spendengeldern konnte Bert dieses Mal 3.700 € zusammen sammeln. Wer möchte kann dies auch immer noch tun. Dazu dient dann dieser Link: https//www.betterplace.org/de/fundraising-events/34768-miles-4-malabon

Herzlichen Glückwunsch zu dieser erneut bärenstarken Leistung lieber Bert.