Deutsche Jugendmeisterschaften in Heilbronn

geschrieben von Harald Eifert am Dienstag, 08 September 2020 09:55 Uhr

Obwohl im Februar der gesamte Sport nahezu zum Erliegen kam, die Athletinnen und Athleten zwar ihrem Training im Alleingang nachgehen konnten, war und ist es doch ein völlig unnormaler Saisonverlauf. Zuerst keine Sportveranstaltungen, schon gar keine Meisterschaften, dann evtl., und zum Schluss bot der DLV  doch noch in Absprache mit den Kommunen Braunschweig und Heilbronn Meisterschaften für die Aktiven bzw. für die Jugend in den Einzeldisziplinen an. Normalerweise sind unsere Akteure dann schon in der Vorbereitung zur Saisonpause, aber nun standen noch Deutsche Jugendmeisterschaften auf dem Programm.

So fuhren wir mit den beiden Athleten Jonas Völler und Jonas Kaspar zu den Deutschen Jugendmeisterschaften nach Heilbronn, damit sie sich dort mit der nationalen Konkurrenz messen konnten. Untergebracht waren wir in Neckarsulm, was uns sehr gut gefiel, und vor allem war dort in ganz kurzer Entfernung ein kleines Stadion mit sechs Rundbahnen, wo wir gut trainieren konnten. In Absprache mit dem dortigen Verein gaben wir dort unsere Kontaktdaten ab, sodass im Falle eines Falles eine Nachverfolgbarkeit gegeben war. Die Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer dort war ebenfalls sehr angenehm, sodass wir auch die Hürden nutzen konnten.

Donnerstag und Freitag erfolgten also zwei Trainingseinheiten, die der Auflockerung der Jungs dienten, und die sie auch nutzten. Spaziergänge und kleinere Erkundungen standen ebenso auf dem Programm, wie das gemeinsame Frühstück und Abendessen. Rundherum eine gelungene Vorbereitung auf die Wettkämpfe.

Als erster war dann am Samstagnachmittag Jonas Kaspar an der Reihe, der sich mit weiteren acht Jungs in zwei Vorläufen über 400 m Hürden der MU20 darum kümmern musste, die acht Finalisten zu ermitteln. Das tat er mit Bravour. Erstmals mit einer guten Bahn (Bahn vier) versehen, ging er das Rennen couragiert aber auch kontrolliert an. Er konnte in diesem Rennen erstmals an der neunten Hürde ohne Probleme aufwarten und mit 55,34 sec nicht nur diesen Vorlauf gewinnen, sondern sogar eine neue Bestzeit aufstellen.  Für den Endlauf am Sonntag war damit das Ticket gelöst und als Bahn wurde ihm zuerst die Bahn drei zugelost. Aber durch den Verzicht eines anderen Läufers, bekam er bei der Neuverteilung der Bahnen schlussendlich die Bahn vier zugelost.

Nach ihm war dann schon Jonas Völler an der Reihe, der sich zwischenzeitlich bereits in der Aufwärmarbeit befand. Auch er fühlte sich gut und hatte vor, seine Vorjahresleistung zu verbessern (Platz acht mit 4:03 min). Jonas Völler gehört wie Jonas Kaspar zu den besten sechs Athleten in seiner Disziplin in Deutschland, was schon klar beweist, wie gut die Jungs sind. Da sind es am Ende im Nuancen, die entscheidend sind. Beide Läufer waren übrigens auch die einzigen Vertreter des LV Nordrhein in diesen Disziplinen.

Zusammen mit elf weiteren Qualifikanten stand Jonas Völler dann an der Startlinie des 1.500 m Laufes der MU20, als der Starter den Startschuss abgab. Es war zwar nicht so langsam wie vor zwei Jahren, aber doch wieder ein typisches Bummelrennen, was wieder auf den letzten 400 m entschieden wurde. Als der Titelverteidiger vom USC Mainz das Tempo anzog, ging Jonas mutig mit.  Es sah sehr lange danach aus, dass er sich auf dem Silberrang würde halten können. Doch eingangs der Zielgeraden hatte das Feld zu ihm aufgeschlossen und auf der Zielgeraden gingen dann noch zwei Konkurrenten an ihm vorbei, sodass er das Ziel als Vierter nach 4:02,78 min erreichte. Natürlich war er zuerst einmal enttäuscht dass er keine Medaille hatte erringen können. Doch schlussendlich, stand er zum dritten Mal in Folge in einem Finale der Deutschen Jugendmeisterschaften, und das jedes Mal als einziger des LV Nordrhein. Dass es auch noch Meisterschaftsrekord war, war jetzt für ihn unbedeutend, soll aber hier nicht unerwähnt bleiben. Solche Spurtrennen haben es immer in sich. Und immer die Läufer, die von hinten kommen können, haben in der Regel im Ziel die Nase vorn. So wie er selbst 2018 in Rostock. Also Kopf hoch und nicht enttäuscht sein. So ein Ergebnis bringt einen Athleten weiter nach vorne, als er glaubt.  Damit hatte sich Jonas gegenüber dem Vorjahr als  diesjähriger Vierter auch wieder um vier Plätze gesteigert.

Nach einem ruhigen und harmonischen Abendessen gingen wir dann relativ früh ins Bett, denn Jonas Kaspar stand am nächsten Tag noch mit seinem Finale auf dem Programm. Die anderen beiden hatten noch ein Training vor sich.

Ausgeschlafen und ein gutes Frühstück bildeten dann auch die Grundlage für Jonas vor seinem Finale über 400 m Hürden. Die Aufwärmarbeit verlief ruhig und unspektakulär, aber technisch sehr gut. Auf Bahn vier startend konnte er dann mitten im Pulk sein Rennen so gestalten, wie es besprochen war. Und das bedeutete, dass er sich auf den ersten 200 m nicht vom Tempo der anderen verrückt machen lassen sollte, um seinen eigenen Rhythmus durchzulaufen. Manch einer hatte wahrscheinlich schon zu Beginn des Rennens geglaubt, dass das Rennen an Jonas vorbeilaufen würde. Doch ab der 200 m Marke konnte man dann sehr gut erkennen, dass er mit seinem Tempo sehr gut kalkuliert hatte. Bis auf eine Hürde, die er wieder etwas in Rücklage nahm, war es ein nahezu runder Lauf, den er als guter Vierter abschloß und erneut Bestzeit erzielen konnte. Er blieb mit 54,81 sec sogar erstmals unter der 55 Sekunden Marke, was ihn sichtlich freute.

Nach vier Tagen in Heilbronn und Umgebung begab sich dann unser kleiner Tross wieder auf den Weg in die Heimat. Im Gepäck zwei vierte Plätze, zwei erzielte Bestleistungen und drei Meisterschaftsrekorde. Ich denke, dass wir damit sehr zufrieden sein können und dürfen.

Gratulation an die beiden Akteure und haltet euch weiter fit, denn ein bisschen kommt ja noch.